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Waltz with Bashir

 
 
Bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes erntete die israelische Animations-Doku „Waltz With Bashir“ zehnminütige stehende Ovationen und euphorische Kritikerlobpreisungen. Der Film wurde von der deutschen Produktionsfirma Razor Film (Paradise Now) initiiert und erzählt in beeindruckenden Bildern, wie sich Regisseur Ari Folman bedächtig an die verdrängten traumatischen Erlebnisse seines Kriegseinsatzes im Libanon herantastet.
Filmstarts.de
 

 
"Nach 113 Jahren Filmgeschichte wirklich noch einmal etwas, das es noch nie gegeben hat: eine Dokumentation in Trickfilmform. Die Frage, ob es so etwas überhaupt geben kann, beantwortet Ari Folmans von der Berliner Razor Film produzierter Wettbewerbsbeitrag mit einem überzeugenden "Ja"."
Die Welt
 
"Kompromisslos ehrlich, sich dem persönlichen Horror stellend und mit unglaublichen Bildern erzählt Regisseur Ari Folman, wie Stück um Stück die Erinnerung an Massaker in palästinensischen Flüchtlingslagern zurückgewonnen wird. Die Puzzleteile fallen dabei im Takt der grandiosen Musikauswahl, die von berauschender Klassik bis zum umgedichteten Cake-Song "I bombed Korea today" reicht."
Stern
 
Rüdiger Suchsland ist begeistert: "WALTZ WITH BASHIR ist eine präzise historische Dokumentation, erzählt aber zugleich etwas Universales: Die Entmenschlichung im Krieg, der sich Soldaten keiner Armee entziehen können, und die den Film brennend aktuell macht. Der Animationsstil bewirkt nur am Anfang Distanz: Fern aller Klischees findet Folman phantastische Bilder und der Horror des Krieges wirkt hier plötzlich surreal."
artechock.de
 
Der Film ist für Martin Walder "ein halluzinatives, fragiles Bild geworden, in dem das Schreckliche des Kriegs im kindlichen Cartoon-Stil nicht verniedlicht, sondern gerade tückisch zugespitzt erscheint und das Seelische sich in Traumbildern von beunruhigender Schönheit behaupten will. WALTZ WITH BASHIR wurde als realer Videofilm produziert und danach animiert. Und es erweist sich, dass der Haarschopf und das Gesicht eines toten Mädchens in den Trümmern einem auf diese Weise viel näher gehen als ein gängiges Agenturbild. Und wenn der Film dann ganz am Schluss doch noch kurz in das aus dem Fernsehen vertraute Realbild kippt, erhält sogar dieses den ihm innewohnenden, aber längst verlorengegangenen Schmerz zurück."
Neue Züricher Zeitung
 
Laut Andreas Borcholte gelingt den Filmemachern "eine neuartige Form der Kriegs-Doku, die sowohl visuell fasziniert, als auch emotional aufrüttelt. "Folmans Film ist nicht ohne Makel, denn die visuelle Überraschung täuscht über einige dramaturgische Schwächen hinweg, und dass der Film, so klingt es in einigen Interview-Passagen an, eine Parallele zwischen Auschwitz und dem Palästinenser-Massaker schlägt, ist recht radikal und dürfte in Israel für Kontroversen sorgen, wo die Geschehnisse von damals zwar aufgearbeitet sind, aber immer noch als Trauma über der Nation hängen."
Der Spiegel
 
Hanns-Georg Rodek hat sich vom Trickfilm überwältigen lassen. "Obwohl Folmans Vorgehensweise – das Befragen von Augenzeugen – eine genuin dokumentarische ist, wird sie auf der Bildebene durch eine zutiefst subjektive konterkariert. ... Seine Trickversion vom Krieg ist rotgetränkt, desorientierend, unpathetisch. Seit der Erfindung des Trickfilms macht man ihm den Vorwurf, Gewalt zu verharmlosen. Die ungewohnte Bilderfahrung von WALTZ WITH BASHIR sensibilisiert uns nun neu in Sachen Gewalt, und wenn Folman am Ende abrupt von einem Trickspaziergang durch das zerstörte Lager auf reale Videoaufnahmen von dort schneidet, sind auch die Realaufnahmen wieder ein Schock."
Die Welt
 
Verena Lueken sah einen Film wie ihn sich ein Festival nicht schöner wünschen kann - innovativ in der Form, politisch brisant, unterhaltsam, schnell. "Eine autobiographische Spurensuche also, ein etwas ausgeleierter Ansatz im Dokumentarfilm, aber was Ari hier macht, ist so ungewöhnlich, dass man sich scheut, seinen Film diesem Genre überhaupt zuzuordnen. Was man im Dokumentarfilm darf, ist eine müßige Frage, solange es der Wahrheitsfindung dient, und hier hat man den Eindruck, dass die surreale Kriegserfahrung eines sehr jungen Soldaten eine ästhetische Form gefunden hat, die ihr entspricht, grell und laut, voller bizarrer Bilder, schockhafter Übergänge, verwirrender Begegnungen."
Frankfurter Allgemeine Zeitung
 

 

 

Sehr interessanter Tipp, vielen Dank!

Damit wären wir auch beim politischen Film angelangt. Mich erinnert das Thema an das "Wunder von Dschenin", worüber auch ein Film gedreht wurde.

FG MichaEL